Krumm/Luhr gewinnen GT1-Krimi
Juni 6th, 2011 von
Tino Güttler
- Deutsche Nissan-Paarung holt die legendäre „Tourist Trophy”
- Superschneller Boxenstopp entscheidet den GT1-Thriller von Silverstone
- GT-R-Duo übernimmt zur Halbzeit die Führung im WM-Zwischenklassement
Michael Krumm und Lucas Luhr haben Nissan beim fünften von zehn Läufen zur FIA GT1-WM in Silverstone ein Traumergebnis beschert. In einem von zahlreichen Kollisionen, leichten Regenschauern und einer Safety-Car-Phase begleiteten Rennen hatte Luhr den führenden Aston Martin dank eines schnelleren Boxenstopps der Nissan-Crew überholen können. In der Schlussphase wehrte er erfolgreich die teils heftigen Attacken seines deutschen Landsmann Alex Müllers ab und sicherte sich trotz Bremsproblemen am GT-R den vielumjubelten Sieg. Der Triumph bei der legendären Tourist Trophy und der zweite Platz im samstäglichen Qualifying Rennen katapultierte das deutsche Duo auf den ersten Platz im WM-Zwischenklassement; in der Teamwertung verbesserte sich ihre Einsatzcrew JR Motorsports auf Platz zwei. Nach dem Ausfall von zwei GT-R durch Kollisionen landeten Enrique Bernoldi/Warren Hughes als einzige weitere Nissan-Crew auf Platz sieben.
Schon nach den Positionen zwei (Krumm/Luhr) und vier (Bernoldi/Hughes) im Qualifying-Rennen am Samstag war klar: Der Kurs von Silverstone würde den Nissan GT-R weitaus mehr liegen als 14 Tage zuvor der enge Sachsenring. Nach dem Start des Hauptrennens lag Michael Krumm zunächst auf Platz zwei hinter dem Aston Martin des Tschechen Tomas Enge. Auf den Plätzen zwölf bis 14 rangierten die beiden schon in der ersten Runde des Samstagsrennens verunfallten GT-R mit Richard Westbrook und Jamie Campbell-Walter sowie – in deren Sandwich – Warren Hughes. Der Silverstone-Vorjahressieger hatte beim Start eine extrem weite Linie nehmen müssen und neun Plätze eingebüßt.
An der Spitze setzten sich Enge im Aston Martin DBR9, Krumm im GT-R und Mike Hezemans in einer Corvette Z06 bald vom Rest des Feldes ab. Dahinter wühlte sich Westbrook im JRM-Nissan mit einigen sehenswerten Aktionen auf Platz neun vor. Doch im Kampf um P8 fuhr ihm Stefan Mücke (Aston Martin) in die Flanke – was für beide Autos das Aus bedeutete.
Dieser aus Nissan-Sicht bedauerliche Vorfall brachte das Safety Car auf die Strecke. Weil sich kurz darauf auch das Boxenstoppfenster öffnete, nutzten alle Teams diese Phase zum spontanen Pflichtboxenstopp. Anders als am Vortag (und auch am Sachsenring) war Nissan diesmal entscheidende Sekunden schneller als die Konkurrenz. Folge: Als Lucas Luhr zurück auf die Strecke preschte, tat er dies als Führender! Auch die beiden Sumo-Power-GT-R wurden blitzschnell abgefertigt, was sie auf die Plätze sechs und sieben vorspülte.
Doch kaum war das Safety Car wieder verschwunden, bahnte sich das nächste Drama an. Diesmal erwischte es im Mittelfeld gleich fünf Autos auf einen Streich -mitten unter ihnen die beiden Sumo-Power-Autos von David Brabham und Enrique Bernoldi. Während für den Australier danach Feierabend war, fiel der Brasilianer zunächst auf Platz neun zurück.
Im Kampf um den Tagessieg entspann sich danach ein Duell bis aufs Messer zwischen Luhr und Müller. Während der Nissan-Pilot – auch am TV deutlich sichtbar – mit Bremsproblemen haderte, gelang es Müller kurz vor Schluss, die Nase seines Aston Martins nach vorne zu schieben. Doch Luhr konterte – mit zwei Rädern auf dem Gras – eiskalt, wobei sich beide Wagen sogar noch leicht berührten.
Michael Krumm nachher: „Das war ein sensationeller Tag für Nissan! Lukas und ich können sehr stolz darauf sein, dass unsere Namen nun auf der berühmten RAC Tourist Trophy eingraviert werden. Ich war 2010 ein wenig eifersüchtig, als Jamie Campbell-Walter und Warren Hughes sie erstmals für Nissan gewannen. Denn diese seit 1905 vergebene Trophäe hat eine besondere Bedeutung im Motorsport. Daher ist dieser Sieg auch einer der wichtigsten in meiner Karriere.” Zum Rennen selbst sagte der Reutlinger: „Leider gelang es mir am Start nicht, den Aston Martin zu überholen. Danach hieß unser Ziel, bis zum Boxenstopp so nah wie möglich an Enge dranzubleiben. Um dann in der Boxengasse die Führung zu übernehmen.”
Der Plan ging denn auch genauso auf. Daher ließ der Koblenzer Lucas Luhr auch keinen Zweifel daran, wer am Sonntag in erster Linie den Sieg sicherte: „Der Schlüssel zum Erfolg lag heute in der phantastischen Arbeit unserer Mechaniker beim Boxenstopp. Es war danach gar nicht so einfach, meine Position zu verteidigen, da es zunächst nieselte. Und hinter mir machte Alex Müller mächtig Druck. Wir lieferten uns einen harten, aber fairen Kampf. Fünf Runden vor Schluss begannen dann die Bremsen nachzulassen. In der vorletzten Runde war Alex dann einmal kurzzeitig auf gleicher Höhe, doch ich hatte für die nächste Linkskurve die günstigere Linie und blieb vorn. Ich kann mich an kein Rennen erinnern, nach dem ich hinterher so laut ins Mikrofon gebrüllt habe!”
Der sechste Lauf zur FIA GT-WM findet am ersten Juli-Wochenende auf dem Kurs von Navarra in Spanien statt.
FIA GT-1-WM, Meisterschaftsstand nach fünf von zehn Läufen:
Teams
- Hexis-AMR F Aston Martin 125
- JR Motorsport GB Nissan 116
- Young Driver AMR D Aston Martin 113
- All-Inkl.com Münnich Motorsport D Lamborghini 106
- Sumo Power GT GB Nissan 67
Fahrer
- Krumm/Luhr D/D Nissan 70
- Winkelhock/Basseng D/D Lamborghini 67
- 3. Piccini/Hohenadel I/D Aston Martin 61
- Piccione/Dusseldorp MC/NL Aston Martin 56
- Mücke/Turner D/GB Aston Martin 56
- Enge/Müller CS/D Aston Martin 53
- Mike Hezemans NL Corvette 46
- Dumbreck/Westbrook GB/G Nissan 39
- Schwager/Pastorelli D/I Lamborghini 34
- Enrique Bernoldi BR Nissan 33
- Nick Catsburg NL Corvette 31
- Campbell-Walter/Brabham GB/AUS Nissan 31
Geschrieben in Motorsport FIA-GT |
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